Wochenendtrip zur Nordseeinsel Borkum

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Endlich ist es Freitagmittag. Ich freue mich auf einen Wochenendtrip nach Borkum. In meinem häuslichen Büro schalte ich den PC aus und schnappe mir meinen kleinen Koffer, den ich schon am Abend zuvor gepackt hatte. Wenn Du von zu Hause aus arbeitest, musst du nicht durch den Berufsverkehr. Und wenn Feierabend ist, ist Feierabend. Das ist einer der kleinen Vorteile. Zugegeben, an anderen Tagen, an denen ich nichts vorhabe, fällt mir das deutlich schwerer. Ich fahre direkt auf die Autobahn, der „Freitag-Nachmittag-Ameisentanz“ hat noch nicht begonnen und ich schleiche mich an den üblichen Verkehrsknotenpunkten ohne nennenswerte Staus vorbei. Glück gehabt oder weise Voraussicht, nenne es wie Du möchtest. Um 16:45 Uhr geht die Fähre nach Borkum und wie es scheint bleibt mir noch genügend Zeit meine Anreise im wahrsten Sinne des Wortes zu genießen. Die Ausschilderung zur Fähre nach Borkum ist ausreichend und früh genug angebracht. Der Parkplatz der Fährgesellschaft ist schnell gefunden und es sind viele freie Parkplätze zu einem vernünftigen Tagespreis vorhanden. Zur Abfahrts-Wartehalle, vorbei am Hafenbahnhof, sind es ca. 300 m. Die, die mit der Bahn anreisen, brauchen praktisch nur über die Straße zu gehen. Egal wie ihr anreist, ob mit dem Auto oder der Bahn, ein Traum an diesem Tag für mich, aber vermutlich auch in der Urlaubszeit, ein Traum für jedes gestresste Familienmitglied. Direkt am Eingang findest du die Toilette (vielleicht eine wichtige Information) und den Kartenschalter an dem ich mir mein vorher online gebuchtes Ticket abhole. Wenn Du mindestens 7 Tage vorher dein Überfahrtsticket buchst, wird der Betrag übrigens von Deinem Konto abgebucht. Die Abfahrtshalle selbst ist groß, modern, und komplett verglast. Ein kleines offenes Bistro mit einigen abgeschirmten und höher  gelegenen Sitzplätzen ist vorhanden. Im Wartebereich sind weitere Sitzplätze in ausreichender Zahl vorhanden.
Draußen stürmt und regnet es. Dadurch hat die Fähre etwas Verspätung. Die Halle hat sich inzwischen gefüllt, es gibt genug zu beobachten. Über meine Bose Kopfhörer dringt kein einziges Geräusch durch und ich kann mich voll und ganz meiner Musik hingeben. Über Amazon Prime höre ich „The Veils
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Mit 20 Minuten Verspätung trifft die Fähre ein und nach einem kurzen Anlegemanöver spuckt sie ihre Passagiere, LKWs und Autos aus. Inzwischen ist die Halle voll mit für das Wochenende heimkehrenden Borkumern und Inselgästen die geduldig auf das Öffnen der Türe warten. Endlich ist es soweit. Die Türen öffnen und die Masse strömt durch die überdachte Gangway, vorbei an zwei Karten kontrollierenden Matrosen in die Fähre. Die Kofferablage befindet sich direkt am Eingang. Ich fackle nicht lang, stell meinen Koffer ab und suche mir einen Sitzplatz in der Nähe der Essensausgabe. Der Grünkohl mit Kassler, Mettwurst und Kartoffeln und Senf für 10,50 € und ein großer schwarzer ostfriesischer Tee für 2,90 € ist schnell bestellt und wird, nachdem er aus der Küche kommt, von einem heftig blinkendem und vibrierendem  Gerät, angekündigt. Ich esse meinen Grünkohl, trinke meinen Tee und genieße weiterhin meine Musik. Nach circa zweieinhalb Stunden ist die Überfahrt Geschichte. Im Borkumer Hafen wartet schon standardgemäß die Inselbahn auf der sich jetzt die Fahrgäste verteilen. Ich bin schon wieder begeistert. So ein reibungsloser und durchorganisierter Ablauf. Völlig stressfrei. Die Fahrt der Inselbahn vom Hafen nach Borkum-Mitte ist übrigens im Fährticket enthalten. Mein Fußweg zum Hotel Ohio, hinter dem alten Leuchtturm und nicht weit vom Restaurant Alt-Borkum gelegen, dauert ca. 15 Minuten. Inzwischen ist es 20:00 Uhr. Es ist dunkel, es regnet und bin satt. Schnell  mache ich mir noch einen Tee und verkrieche mich in mein Bett. Über das WLan des Hotels schaue ich mir auf meinem iPad noch eine Folge meiner momentanen Lieblingsserie Arrow an. Gut das ich ein Abo bei Netflix habe.
Ich bin früh wach am nächsten Morgen. Es ist noch dunkel und es regnet und stürmt immer noch. Durch alle Ritzen pfeift der Wind. Ein Geräusch das ich liebe. Ich vertrödle meine Zeit bis es langsam hell wird. Nachdem ich mich frisch gemacht habe, sitze ich um halb neun bei frischen Brötchen, Käse, Wurst und Marmelade und einem heißen, schwarzen ostfriesischem Tee am Frühstückstisch. Ich lass es gemütlich angehen und genieße noch ein weiteres Kännchen Tee. Das typische Gedeck mit Kluntjes, Sahne mit Sahnelöffel, einem schwenkbaren Teesieb und natürlich hauchdünnen Porzellan. Wusstet ihr, dass die Ostfriesen den höchsten Teeverbrauch pro Kopf weltweit haben. Die ostfriesische Teekultur ist ein Zeichen der friesischen Geselligkeit und eine schöne Tradition.
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Gegen 10:00 Uhr laufe ich los, inzwischen hat es aufgehört zu regnen und zu stürmen. Ich mache mich auf den Weg zum Strand, vorbei am alten und am neuen Leuchtturm, vorbei an einigen wirklich schönen klassisch-norddeutschen Villen und altbürgerlichen Häusern. In der unmittelbaren Nähe des neuen Leuchtturms und im östlichen Teil der kleinen Strandpromenade findest Du ein paar wirklich sehenswerte alte klassizistische Bauten. Typische Bäderarchitektur. In einem ist seit 60 Jahren das Gästehaus des CVJM untergebracht. Wirklich schön. Leider gibt es auch ein paar architektonische Bausünden, vermutlich aus den siebziger Jahren, ich möchte da nicht weiter drauf eingehen. Die neue Strandpromenade, vom Bund aufwendig saniert, finanziert und 2013 fertiggestellt ist ein kleines Schmuckstück. Zusätzlich hat sie eine wichtige Bedeutung für den Küstenschutz und die Erhaltung der Schiffbarkeit. Ich folge ihr zunächst in südwestlicher Richtung. Es geht vorbei am Gezeitenland,  einer hochmodernen Wellness- und Erlebnis-Attraktion, vorbei am Nordsee-Aquarium, bis zum kleinen Leuchtturm. Inzwischen stürmt und gießt es wieder aus allen Rohren. Gott sei Dank habe ich die richtige Kleidung eingepackt und ich überstehe diese Schauer und die Windböen ohne Probleme. Am kleinen Leuchtturm biege ich zum Inselinneren ab und laufe parallel zum Strand zurück Richtung Stadtmitte und Inselbahnhof. Hier biege ich wieder zur Strandpromenade ab.  Dort angekommen hört es auf zu Regnen. Das passt.
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Weiter geht`s am Strand entlang und vorbei an den Norddünen. Es ist Ebbe, der Strand entsprechend breit.  Ich laufe kreuz und quer, mal bis zur Wasserlinie und wieder zurück, den Dünen entgegen.  Und das mehrere Male, immer auf der Suche nach ein paar schönen Fotomotiven. Nach ca. 2 Stunden taucht in den Dünen ein Strandpavillion auf. Es ist das Strandcafé Seeblick. Das kommt mir gerade Recht, denn durch das Fotografieren habe ich das Gefühl meine Finger brechen jeden Moment ab.  Schließlich sind draußen nicht mehr als 7 Grad. Innen erwartet mich eine mollige Atmosphäre mit einer wundervollen Aussicht auf den Strand, die Dünen und die Nordsee. Ein heißer Ostfriesentee und ein selbstgebackenes Stück gedeckter Apfelkuchen mit Schlagsahne runden das Ganze ab. Herrlich, hier lässt es sich aushalten. Ich genieße und lasse bei chilliger Musik im Stil von „Cafe del Mar“ meine Seele baumeln. Nach circa ein bis zwei Stunden und nachdem ich mein zweites Kännchen Tee aufhabe, kommt die Sonne hervor und ich entschließe mich zurück zur Strandpromenade zu laufen. Auch das, ihr könnt es euch denken, braucht wieder seine Zeit. Zumal die Sonne und die Wolken ein prächtiges Farbenspiel an den Himmel projizieren. Ein Fasan, einige Hasen und an den Sträuchern vergessene Sanddornbeeren geben schöne Motive ab.
Plötzlich klingelt mein Handy. Ein guter Bekannter aus Wuppertal, der mit seiner Frau für fast drei Monate auf der Insel überwintert ist am Apparat. Wir verabreden uns für 17:00 Uhr in der Seekiste und so, wie ich das später Überblicken konnte, die einzige offene Kneipe auf Borkum.
Ich trödle weiter und fotografiere. Wolkenformationen in Kombination mit Sonnenuntergängen sind unter anderem meine liebsten Motive. Die letzten Züge der Sonne genieße ich an der Strandpromenade.
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Danach mache ich mich auf den Weg zur Seekiste. Dort ist es voll, verraucht und die Gäste schauen Fußball. Eine typische Bierkneipe mit dunkler Holzvertäfelung, günstigen Preisen und einer schnellen Bedienung. Wir unterhalten uns über unsere Buckelvolvos und die nächsten geplanten Reisen. Schnell sind 2 Stunden um. Inzwischen ist es 19.00 Uhr und ich habe Hunger. In der Seekiste empfiehlt man mir das Restaurant „Zum Insulaner“, ein Spezialitäten-Restaurant. Danke nochmals im Nachhinein für den Tipp. Denn hier ist es richtig lecker. Als Vorspeise gibt es eine Krabbenrahmsuppe und zum Hauptgang gebratene Schollenfilets mit Nordseekrabben, Muscheln und Bratkartoffeln. Dazu einen Salat. Als Nachtisch Sanddorn Parfait. Selbst das Preis-Leistungsverhältnis stimmt.
Gut gestärkt mache ich mich wieder auf den Weg zu meinem Hotel. Nach über 11 Stunden Inselerkundung und dem leckeren Abschluss macht sich schnell die Müdigkeit breit. Nach einem „Gute-Nacht-Tee“ schlafe ich sofort ein.
Die Fähre am nächsten Tag fährt erst am späten Nachmittag. Auf dem Rückfahrtticket steht die Abfahrtszeit der Inselbahn zur Fähre. 16:30 Uhr. Ich bin früh wach und habe viel Zeit bis dahin. Mein Zimmer muss ich räumen. Ich darf aber meine Tasche stehen lassen und später abholen. Ich genieße ein ausgedehntes Frühstück und mache mich danach auf den Weg ins Inselinnere und laufe gegen Mittag den Weg zurück nach Borkum, diesmal am Strand entlang. Inzwischen habe ich Muskelkater und bin froh im völlig überfüllten Borkumer Inselcafé und Pfannkuchenhaus noch einen Platz zu ergattern. Die frische Luft macht hungrig nach der viereinhalbstündigen Wanderung genieße ich einen klassischen Speckpfannekuchen und ein alkoholfreies Weizenbier. Mit einem Blick auf die Uhr wird mir plötzlich klar wie schnell die Zeit vergeht. Es ist kurz vor 16:00 Uhr und ich muss mich sputen. Gott sei Dank sind die Wege kurz. Ich gehe zum Hotel um meine Tasche zu holen und sitze 25 Minuten später in der Inselbahn. Die Rückfahrt verläuft genauso reibungslos und stressfrei wie die Hinfahrt. Gegen 22:00 Uhr bin ich wieder in meinem trauten Heim. Das war ein schönes Wochenende.
Danke Borkum.

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