Reise nach Kenia – Teil 2

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Nairobi, Kenia

In Kenia spielt sich das Leben auf der Straße ab. Dazu muss ich sagen, dass ich richtigen Regen hier tagsüber noch nie erlebt habe. Wenn es geregnet hat, dann meistens nachts. Also sind die Menschen draußen. Wenn man es nicht erlebt hat kann man es sich schwer vorstellen. Die Schreiner bauen Möbel am Straßenrand, die Schlosser schweißen was das Zeug hält. Manche schneiden alte LKW-Reifen auf, Schuster werkeln Schuhe daraus oder aus anderen Materialien. Hausfrauen bauen ihre Nähmaschinen auf und flicken, reparieren oder schneidern ganze Kleidungsstücke. Es werden Haare geschnitten oder verlängert. Wieder andere schlagen Kessel oder Töpfe aus. Dort wo es keine asphaltierten Straßen gibt, werden Autowäschen angeboten. Sowohl innen, als auch außen für dreihundert Schilling (drei Dollar) Die Scheinmetze sitzen am Straßenrand und bearbeiten ihre Steine. LKW’s werden per Hand auf oder abgeladen. Ihr fragt euch, wie der Sand in die großen Kipper kommt? Oder Steine? Mit zehn bis fünfzehn Mann wird der Sand dort reingeschaufelt und auch wieder abgeladen. Und natürlich werden die Baumaterialien wie Sand, Kies oder anderes Geröll am Straßenrand gelagert. Quadersteine mit einem Circamaß von 15x15x40 cm die für den Häuserbau genutzt werden, werden hier behauen, gelagert und verladen. Auf den Dörfern wird hier der Reis getrocknet.

Schrottplätze Fehlanzeige. Es gibt hier ganze Straßenzüge in denen quer zum Straßenverlauf die Schrottkisten aufgereiht werden. Dahinter die Shops der Teilehändler oder kleine Werkstätten. Meist nur Wellblechverschläge. Natürlich sind die Straßen aus Lehm. Überall wird geschweißt, ausgebeult, geschliffen, poliert, gespachtelt, montiert und demontiert. Alles von Hand. Ganze Autos werden gestrippt und neu zusammen gebaut. Kein Teil, das Du nicht bekommen kannst. Und dazwischen immer die Straßenhändler die irgendetwas verkaufen wollen.
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Dann gibt es noch die „Transporteure“. Menschen die irgendwelche Eselskarren ziehen und „was weiß ich“ von A nach B transportieren. Nairobi ist nicht gerade eben. Den ein oder anderen Berg oder Hügel gibt es schon, auch im Zentrum. Wenn der „Transporteur“ nicht weiter kommt müssen halt die Passanten helfen. Wenn die nicht helfen, steigen halt einer oder mehrere der Fahrer, der inzwischen angestauten Autos, aus. Wobei eigentlich ganz Nairobi aus einem nicht endenden Stau besteht. Aber der Autoverkehr ist wieder ein ganz anderes Thema. Hinten am Karren ist ein Autoreifen angebracht. Muss der „Transporteur“ bremsen, wird der Schwerpunkt der Karre nach hinten verlagert und durch den Autoreifen gebremst.

Wir waren ja beim Straßenrand. Apropos Straßenrand, es gibt auch noch die Kreisverkehre, die teilweise von ganzen Händlerfamilien besiedelt werden. Die bereits weiter oben angesprochenen Handwerker müssen ihre produzierte Ware selbstverständlich auch verkaufen. Also wird die Straßenverkehrsinsel zum Showroom umfunktioniert und mit Betten, Sesseln und Sofas bestückt. Dazwischen diverse Stühle oder Tischgestelle aus Metallgestellen. Die Frauen verkaufen die auf einem Rost frisch gegrillten Maiskolben. Andere wiederum eröffnen einen Pflanzenhandel. Warum auch nicht den Buchsbaum oder den Fikus im Vorbeifahren am Kreisverkehr kaufen, besser gesagt im Kreisverkehr.

Was für den Kreisverkehr gilt, gilt für den Straßenrand sowieso. Hemden, Hosen, Schuhe, junge Welpen, Katzenbabys, Bilderrahmen, lebende Hühner, Gemüse, Obst, frisch gefangener Fisch, oder einzelne Bonbons, meist in der Nähe von Schulen, nichts womit nicht gehandelt wird. Überall wird gedealt und gefeilscht was das Zeug hält. „Money is making Money“.

Dazwischen den ein oder anderen Bettler, weniger als man denken mag. Allerdings wird hier noch „zur Schau gestellt“ Das heißt, die offene Wunde, die Pocken, das Geschwulst oder jegliche andere Missbildung wird offen gezeigt.

An fast jeder Straßenecke findet man in den Farben der Telefondienstanbieter, Airtel und Safaricom, meist rot und grün, kleine Kioske. Diese sind nicht größer als 1-2 qm. Hier kaufen die Leute ihre Credits oder Datenvolumen für ihre Handys. Auch ist es in Kenia üblich mit dem Handy zu bezahlen und Geldbeträge hin- oder her zu senden. Haben diese Kioske eine entsprechende Lizenz, können diese auch Geld ausbezahlen. Die Hauptanbieter sind hier M-Pesa und Airtel. Das Bezahlen mit dem Handy ist hier so üblich wie bei uns das Bezahlen mit der Master Card.

Viele diese Kioske werden von Frauen betrieben. Hier in Kenia gibt es Kleinkredite für Frauen, die ihr eigenes kleines Business betreiben wollen. Die ganz Schlauen und das sind sie fast alle, bieten zusätzlich auch immer noch andere Produkte an. Dabei orientieren sie sich an den Bedürfnissen ihrer Nachbarschaft.

Nun, wie ihr seht, hier pulsiert das Leben im wahrsten Sinne des Wortes. Es geht uns „Zurechtkommen“ teilweise ums Überleben. Nur zu betteln, dafür sind die Menschen zu stolz. Krankenkasse, Arbeitslosengeld und sonstige Zuschüsse die der Sozialstaat uns bietet, Fehlanzeige. Dafür gibt es eine andere Gemeinschaft, Familien und Nachbarn die untereinander helfen, wenn die Not zu groß ist.
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Und ich möchte betonen, wir reden hier über Kenia, eines der am weitesten entwickelten afrikanischen Länder. Ein Land, das eine große Agrarwirtschaft hat. Ein Land das ein großes wirtschaftliches Potenzial bietet.

Was ist mit den afrikanischen Ländern die all dies nicht haben, außer dem Bevölkerungswachstum? Wenn wir diese Länder nicht unterstützen dann frage ich mich, wo das hinführen soll? Und wenn ich von Unterstützung rede, dann rede ich nicht von Geld, das in irgendwelche korrupte Regierungen gepumpt wird. Aufklärung, Wissen also Bildung für alle und Hilfe zur Selbsthilfe sind das A und O für den afrikanischen Kontinent.

Danke fürs Lesen

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