Nairobi-Mombasa mit dem Bus

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Mombasa, Kenia

Unendliche Weiten, trockenes Grasland soweit das Auge reicht oder eine Hügelkette die dem Blick in die Ferne Einhalt gebietet. Dazwischen immer wieder grüne Punkte in der Savanne. Die typischen afrikanischen Buschbäume, Affenbrotbäume oder die sogenannten Baobabs. Danach wird es hügelig und grün. Die Bäume und die Büsche werden häufiger. Bananenplantagen, Maisfelder, Sonnenblumenfelder, und immer wieder Rinder- oder Ziegenherden. Langsam nehmen auch die abzweigenden Wege, die rote Lehmfarbe Afrikas an. Die silbernen Punkte der Wellblechdächer schimmern in größeren Abständen in der Sonne. Die Wege die in das Hinterland führen sind gesäumt mit Agaven. Der zweispurige Mombasa – Nairobi Highway schlängelt sich durch diese Landschaft. Gespickt mit Bremsspuren und schwarzen Reifenabdrücken. Aus dem Radio dröhnt arabische Musik, wir fahren ja in den weitgehend islamisch geprägten Süden Kenias. Dementsprechend gemischt sind auch die Insassen. Der Bus ist voll belegt. Vorne unterhalten sich lautstark der Busfahrer und sein Begleiter. Oder ist es der persönliche Alleinunterhalter, der nur dazu dient den Fahrer bei Laune und wach zu halten?

Wir fahren wieder durch eines dieser Dörfer, bei denen ich mich frage, was zuerst da war? Die Straße oder das Dorf? Die für Kenia so typischen „Bobs“, das sind kleine oder auch zuweilen heftige Bodenwellen, die manchmal für mein ungeübtes Auge, schwer zu erkennen sind. Diese Bobs kündigen das Dorf sozusagen an und verabschieden es auch wieder. Wie immer wird die Straße beidseitig mit einem Marktstand nach dem anderem gesäumt. Auf der Straße laufen Kinder, Frauen, junge Männer herum, die den Insassen der vorbeifahrenden Autos, LKW, Matatus oder Bussen in Plastiktüten verpackte Tomaten, Äpfel, Orangen, Erbsen, Kartoffeln oder Wasserflaschen verkaufen wollen.

So langsam wird es warm. Das gemäßigte Klima Nairobis und des Nordens haben wir schon lange verlassen. Es ist halb zwölf, wir sind mittlerweile seit circa dreieinhalb Stunden unterwegs und haben nicht einmal zweihundert Kilometer geschafft. Mittlerweile fahren wir wieder durch eine Savannen Landschaft. Linker Hand sieht man eine bereits fertig gestellte Teiltrasse der gerade im Bau befindlichen neuen Eisenbahnstrecke, die die Fahrzeit zwischen Nairobi und Mombasa auf drei bis vier Stunden verkürzen soll. Alleine der bauliche Fortschritt, innerhalb eines Jahres, den die Chinesen, die den Zuschlag für den Bau der Trasse erhalten haben, gemacht haben, ist enorm.

Immer wieder kommen uns überholende Autos oder Matatus entgegen. Den Fahrern hier ist es schon in Fleisch und Blut übergegangen bei entgegen kommenden Fahrzeugen automatisch vom Gas zu gehen. Einige Male schon musste der Bus auch schon auf den schmalen Seitenstreifen ausweichen. Umgekehrt ist es nicht anders. Auch uns kamen schon einige Fahrzeuge mit blinkender Lichthupe entgegen.

Da war wieder, ich nenn es mal, eine Kaserne. Ein großes Areal umgeben von hohen, mit Stacheldraht gesäumten, Mauern. Die auf dem Reißbrett angelegten Wohnkasernen wurden in Reih und Glied gebaut. Davor Fahnenmaste mit Fahnen die mit großen chinesischen Schriftzeichen bedruckt sind. Die Wege clean und sauber. Vor dem Tor, das von Security Personal bewacht wird eine sauber angelegter Zufahrtsweg der wiederum von einem weiteren Zaun abgeschirmt wird. Mitten auf dem Areal, umgeben von den Wohnkasernen, ein wohl geordneter Platz mit Baumaterialien, akkurat aufgereiht und gestapelt, sein es Steine, Kunststoffrohe oder Stahl. Die Maschinerie funktioniert. In weiter Ferne kann man die Baustelle erkennen auf der es scheinbar genauso geordnet zugeht. Wie sich wohl der einzelne Arbeiter fühlen mag? Der Erfolg und die Gemeinschaft ergeben durchaus einen Sinn bei solchen Mamut Projekten. Der enorm schnelle Baufortschritt lässt das vermuten.

Alle paar Kilometer entlang der Bahnstrecke sieht man immer mal wieder Steinbrüche und kleine Zementwerke mit mehreren Silos, die die Arbeiter mit Materialien unterstützen. Übrigens tragen alle mit dem Bau befassten Arbeiter gelbe Warnwesten und gelbe Helme. Je näher wir Mombasa kommen sieht man auch schon einmal, den einen oder anderen Triebwagen mit ein paar Transportwagons auf der neuen Strecke fahren. Wie ich gerade sehe werden von den Chinesen die Bahnhöfe direkt mitgebaut. Und so wie ich das beurteilen kann, werden vor dem Bahnhof, ganze Wagons zusammen montiert. Wahnsinn. Mittlerweile sehe ich aber auch schon den zweiten oder dritten Bahnhof auf offener Strecke. Drumherum gibt es nichts. Keine Infrastruktur, keinen Ort, gar nichts. Wer hat sich denn da wohl, die umliegenden Bodenrechte gesichert?

Darauf habe ich gewartet. Wer große Anbaufelder kennt, so wie ich zum Beispiel die kilometerweiten Ananasplantagen aus Costa Rica kenne, oder die endlosen Rapsfelder in unserer Heimat, weiß wovon ich rede. Rechts und links der Straße sieht man weite Agavenfelder, soweit das Auge reicht. Hier im kargen Süden, das ideale Anbaugebiet für diese vielseitige Pflanze.

Auch interessant, zwischen unserem Highway und der neuen Bahntrasse befinden sich auf diesem Streckenabschnitt gerade mal 100 m. An einer Stelle wurde gearbeitet. Gerade mal 20 Meter von den Arbeitern lagen bzw. standen fünf Zebras in der Sonne und schauten interessiert den Arbeitern zu.

Je näher wir Mombasa kommen, desto roter wird die Erde und desto karger die Landschaft. Wir fahren schon seit geraumer Zeit durch eine Strauchlandschaft. Von den Sträuchern trägt ungefähr ein Viertel bis ein Drittel ein grünes Blätterdach, die anderen Sträucher sind karg. Ein paar Kilometer westlich von uns zieht sich eine Bergkette entlang, die scheinbar nicht zu enden scheint.
Ebene. Ebene und Strauchlandschaft bis zum Horizont, auf beiden Seiten. Inzwischen ist die Bergkette Geschichte und das Grün unter den Büschen macht nicht einmal mehr 10% aus. Es ist warm und stickig im Bus. Trotz geöffneter Fenster. Wir sind seit über sieben Stunden unterwegs und ich bin müde. Das Gedudel aus dem Radio geht mir auf den Keks. Hoffentlich sind wir bald da.

So langsam reicht es! Irgendjemand ist wohl auf die glorreiche Idee gekommen, zusätzlich zu der neuen Bahntrasse auch die Straße neu zu asphaltieren und zu verbreitern. Da hat man kurzerhand neben die eigentliche Straße eine Schotterpiste angelegt. Das heißt, neben der Hitze und der stickigen Luft fresse ich jetzt auch noch Staub. Außerdem ist unser Busfahrer auf die glorreiche Idee gekommen aus der zweispurigen eine dreispurige Piste zu machen und knallt hupender Weise durch die Mitte. Alles was uns entgegen kommt wird abgedrängt. Der ganze Bus rappelt und wackelt. Wegen des aufkommenden Staubes haben die Straßenbauer jeden Kilometer einen der bereits erwähnten Bobs eingeplant. Auch die werden ignoriert oder in Schlangenlinie überfahren (wenn uns gerade kein anderes Fahrzeug entgegen kommt) Eine Internetverbindung habe ich auch nicht, so dass ich mal googeln könnte, wie weit es noch ist. Mein rechtes Knie tut weh. Seit acht Stunden sind wir jetzt unterwegs. Ich habe die Schnauze voll. Sollten wir vielleicht doch mit dem Zug zurück fahren? Unser Navi war gerade kurz da und sagt noch siebenundsechzig km mit eine Stunde und dreiundzwanzig Minuten Fahrzeit. Damit lag ich mit meiner Schätzung von neun Stunden für die vierhundertfünfzig km gar nicht mal so weit daneben. Jetzt brauchen wir halt noch eine halbe Stunde länger.

Circa dreißig Kilometer vor Mombasa wird es wieder grün. So als wäre nichts gewesen. Automatisch nimmt die Bevölkerungsdichte wieder zu, genauso wie die eingezäunten Industriell genutzten Gelände. Zum Teil werden hier schon die ersten Überseecontainer zwischen gelagert. Die ersten Palmen tauchen auf. Im Hinterland sehe ich ganze Palmenwälder. Ein erstes Schild mit „Palmölhandel“ taucht auf. Noch zwanzig Kilometer sagt das Schild am Eingang zum nächsten Ort. Hier scheint eine Holzkohle Hochburg zu sein. Überall am Straßenrand türmen sich weiße Kunststoffsäcke mit Holzkohle. Hinter dem Ort wird die Straße zweispurig. Es geht flott voran.

Wir fahren durch einen weiteren Vorort von Mombasa. Dieser Ort scheint eine einzige LKW Werkstatt zu sein. Das glaubt mit keiner. Überall LKWs, Häuser, Container, Werkstätten und wieder LKWs. Dazwischen die bereits erwähnten Straßenhändler. Jetzt ist es nicht mehr weit.

Geschafft, wir sitzen im TukTuk und fahren zum gebuchten Apartment. Morgen geht die Reise dann weiter.

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