Erinnerungen an meine erste Reise nach Kenia

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Als ich mich im April 2014 entschloss im Juni des gleichen Jahres nach Kenia zu fliegen, geschah dies sehr spontan. Auf einer Internetplattform hatte ich eine junge Kenianerin kennen gelernt, und nach einiger Zeit beschlossen wir, uns im echten Leben zu treffen. Ich weiß, was die weiblichen Leser jetzt denken. Aber darauf gehe ich nicht weiter ein, ihr könntet recht haben.

Normalerweise bin ich jemand, der sich vorher mit seinem Reiseland etwas auseinandersetzt, Routen plant und Unterkünfte bucht. In diesem Fall jedoch nicht. Ich war zu diesem Zeitpunkt beruflich sehr eingespannt. Irgendetwas planen, geschweige denn lesen, war mir viel zu lästig. Okay, Kenia ist Afrika. Ostafrika um das Ziel etwas genauer einzugrenzen. Schließlich hatte ich mal bei Google Maps einen Blick auf die Karte geworfen.

Mary, so heißt meine junge Bekannte, wohnt in Nairobi in Westlands. Ende. Das war alles was ich wusste. Ach so eine Sache noch vorab. Ich wollte nie nach Afrika. Australien, Neuseeland, Südamerika waren meine für die weite Zukunft meine geplanten Reiseziele.

Über einen der vielen Reiseanbieter im Internet, buchte ich, nachdem ich mir einen Zeitraum ausgesucht hatte, letztendlich den Flug. Recht günstig. Ehrensache. Aber wie schon gesagt: Alles ohne weiter nachzudenken. Meine Reiseroute sollte folgendermaßen verlaufen: Freitagsvormittags ab Wuppertal mit dem ICE nach Frankfurt. Von dort aus mit dem Flieger nach Amsterdam und mit Zwischenstopp in Dubai weiter nach Nairobi. Im Nachhinein ein vollkommener Schwachsinn.

So aber kam es wie es kommen musste. Bis Frankfurt verlief alles nach Plan, immerhin. Wie ich dann, in Frankfurt angekommen, relativ schnell erfahren musste, waren alle Flüge innerhalb Europas wegen eines Gewittersturms auf unbestimmte Zeit abgesagt worden. Da dies auch für Amsterdam galt gab es immerhin einen Hoffnungsschimmer den Anschlussflug noch zu bekommen. Nach ungefähr 5 Stunden Wartezeit im Sicherheitsbereich des Frankfurter Flughafens wurde dann das Flugverbot aufgehoben und endlich, mit einem bangen und mulmigen Gefühl im Bauch, flog ich dann nach Amsterdam. Letztendlich nur, um dort zu erfahren, dass der Flieger nach Kenia, bzw. Dubai 15 Minuten vor meiner Ankunft gestartet sei. Na toll. Ich hatte es mir schon fast gedacht. Beim nächsten Mal, das nahm ich mir in diesem Moment fest vor, würde ich direkt mit dem ICE nach Amsterdam fahren.

Davon hatte ich jetzt nichts und stand in der Schlange vor dem Schalter der Fluggesellschaft. Erwähnte ich schon, wie sehr ich Schlange stehen hasse? Eine Übernachtung im Hotel war nun angesagt. Wenigstens übernahm die Fluggesellschaft alle Kosten der Unterbringung. Um mein Gepäck sollte ich mir keine Sorge machen, würde ja im System stehen, so hieß es. Und es gab einen Notfallbeutel mit Hygiene-Artikeln. Das war zwar nett gedacht, aber, wie sich später herausstellen sollte, bei so einer langen Reise war der Inhalt nicht ausreichend.
Am nächsten Tag um 13 Uhr ging es dann nach Lagos (Nigeria), von wo dann der Anschlussflug nach Nairobi losgehen sollte. So weit so gut.

Der siebenstündige Flug nach Lagos verlief ruhig und planmäßig. Dort angekommen wartete ich am Gepäckband vergebens auf mein Gepäck. Das ging ja gut weiter. Ich sprach einen der mit Maschinengewehr bewaffneten Sicherheitsbeamten in Militäruniform an und schilderte ihm meine Situation. Dieser sprach kurz mit seinem Vorgesetzten und schleuste mich dann mit meinem Handgepäck quer durch den Flughafen zu einer Gepäckermittlungsstelle. Ein kurzer Blick des dortigen Flughafenmitarbeiters in den Computer brachte mir keine neue Erkenntnis und so hechteten ich mit meinem Handgepäck zusammen mit dem Maschinengewehr bewaffneten Sicherheitsbeamten wieder zurück zum Gepäckförderband, wo wir noch einmal unter den vielen herrenlosen Koffern alles absuchten. Vergeblich. Der Beamte brachte mich danach, nicht ohne die Hand aufzuhalten, in den Sicherheitsbereich und überließ mich hier meinem Schicksal. Gott sei Dank hatte ich kleine Dollarnoten dabei.

Auf meinem Anschlussticket stand keine Gate-Nummer. Hinweisschilder, mechanische oder digitale Hinweistafeln Fehlanzeige. Es gab allerdings auch so um die zehn, nicht beschriftete Gates. Wartezeit für den Anschlussflug vier Stunden. Also Zeit genug. Dachte ich. Einen Teil der Zeit hatte ich ja schon mit der Koffersuche totgeschlagen. Mit meinen DREI Taschen Handgepäck sowie einem Duty-free Plastikbeutel wanderte ich durch den einigermaßen überschaubaren Sicherheitsbereich und fragte alles und jeden nach meinem Anschlussflug und dem Gate. Keiner konnte mir irgendetwas sagen. Völlig die Nerven verlor ich jedoch, als mich dann eine der von mir angesprochen Personen fragte: „Kenian Airlines? – Nie gehört!“ Das war zu viel.

Inmitten zweier von mir jeweils drei Armlängen entfernten Abfertigungsschlangen rief ich schließlich Mary an, teilte ihr mit wo ich mich befand und beschwerte mich lautstark über die Unfähigkeit der Nigerianer. Ich schwitzte stark und roch inzwischen etwas strenger. Pumakäfig beschreibt es wohl ganz gut. Und dann kamen auch noch zwei weibliche Sicherheitsbeamte, fassten mich am Arm, redeten auf mich ein, führten mich zu einer Bank und baten mich Platz zu nehmen und einfach zu warten, es würde schon was passieren.

In meinem normalen Leben arbeite ich im Messebau, ein sehr stressiger Job, es sein denn man plant gut und bereitet sich gut vor. Da hat man schon halb gewonnen. Bei Problemen ist Improvisationstalent gefragt. Einfach nur da zu sitzen und zu warten, davon stand noch nie was in meinem Lebensplan.

Jetzt aber hatte ich wohl keine andere Chance – okay. Also saß ich da, spielte mit meinem Handy und schaute auf die Uhr. Einen vorbei kommenden Reisenden fragte ich nach der genauen Uhrzeit. Ach du Scheiße. Erst jetzt bemerkte ich, dass die Uhren in Nigeria, verglichen mit der Zeit in Europa um zwei Stunden vor unserer Zeit laufen, In Kenia aber zwei Stunden nach unserer Zeit. Das hieß, ab jetzt noch einmal drei Stunden warten, denn ungefähr drei Stunden war ich ja schon in Lagos. Natürlich konnte ich nicht sitzen bleiben, lief einige Male auf und ab, fragte nochmals den ein oder anderen Vorbeieilenden nach meinem Gate. Wieder ohne Erfolg. Irgendwann ergab ich mich doch meinem Schicksal und setzte mich wieder auf die Bank die neben einem der Gates stand.
Pumakäfig war mittlerweile auch nicht mehr treffend. Es stank schlimmer. Bestialisch sozusagen. Nach einer gefühlten Stunde stellte sich ein gut gekleideter nigerianischer Businessmann in der Nähe der Bank auf, stellte seine Tasche ab und las stehen in einer Zeitung. Ich sprach in an und fragte nach seinem Reiseziel. „Nairobi“, sagte er. Mir fiel ein Stein vom Herzen. Welches Gate? Das wusste er auch nicht. Er zückte sein Telefon und rief jemanden an der wiederum jemanden kannte, der am Flughafen arbeitet. Nach ca. 15 Minuten kam dann der Rückruf. Es müsse vermutlich der 2. Eingang auf der rechten Seite des Terminals sein, aber so genau könne der Bekannte das auch nicht sagen. Immerhin, dort saßen bzw. standen wir.

Nach und nach stellten sich immer mehr Leute in den Bereich des Gates und nach weiteren Nachfragen erwies sich dieser Eingang als richtig. Man muss ja auch mal Glück haben. Na ja, bis zu dem Zeitpunkt als das Gate geöffnet wurde. Abgesehen davon, dass von allen das Handgepäck nochmals durchsucht wurde – und zwar in Form von komplettem Ausleeren der Taschen bis hin zur Leibesvisitation. Ich war erschöpft, konnte nicht mehr und ließ dieses auch den durchsuchenden Flughafenmitarbeiter wissen. Auf die Frage, was ich ihm denn anbieten konnte, wurde ich unter den Augen der anderen Reisenden eine Riesen-Toblerone und 10 Dollar los, konnte mich aber unverzüglich ohne weitere Inspizierung wieder auf eine der Wartebänke hinsetzen. Ich war platt. Wenn das so weiter geht, dachte ich, bin ich bald pleite. Immerhin ist mein Budget begrenzt. Trotzdem machte sich erst mal Erleichterung bei mir breit.Diese hielt jedoch nicht lange vor.
Aus einem der stattfindenden Gespräche hörte ich heraus, das der Flieger nicht nach Nairobi startet sondern erst einmal nach Cotonou (Benin) einem Nachbarland von Nigeria fliegt. Erneute Flugzeit (nur) 30 Minuten, Aufenthalt, in dem das Flugzeug gereinigt wird, Passagiere aussteigen und neue Passagiere einsteigen, ungefähr eine Stunde. Immerhin blieb mir Zeit mein restliches Deo zu versprühen und mir die Zähne zu putzen. Die Bestie war weg und der Pumakäfig wieder da. Endlich startete die Maschine und nach etwa sechs verschlafenen Stunden Flug landete ich gerädert aber glücklich in Nairobi.

Wenn du jetzt denkst, dass es das war, täuschst du dich. Ich hatte, aufgrund der kurzen Zeit zwischen Buchen des Tickets und Abflug, bewusst auf ein Visum verzichtet. Immerhin war mir bekannt, dass es bei der Einreise üblich ist ein Visum zu beantragen. Bei meinem Glück war es klar, dass vor der Landung unserer Maschine schon zwei oder drei weitere Flugzeuge vor uns gelandet waren. Deren Passagiere, nachdem sie die Ganzkörperdurchleuchtung passiert hatten, kämpften a) jetzt darum die richtigen Formulare zu finden und auszufüllen und b) in der richtigen Schlange zu stehen um ihre Fingerabdrücke abzugeben und die 50 Dollar für das Visum zu bezahlen. Gott sei Dank gab es ungefähr zwei Studenten die den ca. 400 Personen helfen konnten die Formulare auszufüllen und Gott sei Dank schaffte ich es auch ohne Hilfe. Nach 90 oder 120 Minuten, genau weiß ich es nicht mehr, war auch das erledigt.

Auf zum Gepäckband. Mittlerweile war schon alles entladen und nach kurzer Suche war mir sofort klar -wie sollte es auch anders sein- mein Gepäck war nicht darunter. Also auf zur Gepäckermittlungsstelle. Dort wurden die Beschreibung des Koffers, meine Flugdaten, meine Personalien und die Aufenthaltsadresse in einen vorsintflutlichen Computer eingegeben und erfasst. Ein Formular oder Schreiben konnte man mir wegen eines defekten Druckers nicht mitgeben und nach weiteren 60 Minuten konnte ich den Flughafen verlassen. Alles in allem war ich 48 Stunden unterwegs gewesen und durfte jetzt meine Gastgeberin begrüßen – hoffentlich.

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